Prominenter Besuch im Stall Schöpke in Tangstedt (Hamburg): Fritz
Stahlecker stellte seine Hand-Sattel-Hand-Methode vor.
„Für mich ist die Dressur eine
Ausdrucksform der Kunst. Sie muss ästhetisch und harmonisch
anzuschauen sein. Und dass lässt sich niemals mit Gewalt erreichen!“
Fritz Stahlecker
Trotz Sturm und heftiger Regengüsse kamen 60 Pferdebegeisterte aus
ganz Norddeutschland zusammen, um Fritz Stahlecker, Autor von „Das
motivierte Dressurpferd“, live zu erleben und mehr über seine
gewaltfreie Pferdeausbildung zu erfahren.
Stahlecker (83) beschäftigt
sich seit frühester Jugend mit Pferden ¬ ein Reitersmann durch und
durch. Mit Begeisterung kommentierte und unterrichtete er die fünf
Pferde, die im Praxisteil vorgeführt wurden:
Karin Schöpke zeigte ihre
7-jährige Westfalenstute „Cera“, seit ca. 6 Monaten in der
HSH-Ausbildung. „Cera“ beherrscht die Grundlektionen (z.B. korrektes
Halten, Travers, Spanischer Schritt, Pirouette) und ihre
Lieblingslektion, das Steigen. Mit ihr arbeitete Stahlecker am
„Flinkmachen der Hinterbeine“ – für die eher träge Stute eine echte
Herausforderung. Als nächstes kam Christine Huguenin mit ihrem
talentierten 11-jährigen Holsteiner Wallach „Tom“, ebenfalls seit
Mai im HSH-Training und sicher in den Grundlektionen. An „Tom“, dem
vor lauter Eifer manchmal die Nerven durchgehen, demonstrierte
Stahlecker, mit welchen Übungen man ein Pferd wieder zur Ruhe
bringt, um dann die Lektion ein weiteres Mal zu versuchen.
Weiterer Teilnehmer war ein
7-jähriger Tinker, der erst seit wenigen Tagen in HSH gearbeitet
wird. An ihm konnten die Zuschauer gut die ersten Schritte in der
Grundausbildung sehen. Die große Überraschung war der 9-jährige
Ponywallach „Bonheur“ mit Marcella Jeske. Obwohl auch er erst seit
wenigen Wochen nach HSH trainiert wird, zeigte er bereits sicher die
Grundlektionen, alle Seitengänge und sogar eine Traversale im Trab.
Die Zuschauer applaudierten spontan. Als letztes Pferd stellte
Gesche Hansen ihre fortgeschrittene Stute „Bonnie“ vor. Einigen
Zuschauern war die Stute aus dem DVD-Praxiskurs, die in diesem Jahr
erschienen ist, bekannt. Es war spannend zu beobachten, wie sich das
Pferd seither weiterentwickelt hat.
Es ist das Wohl des Pferdes,
das Fritz Stahlecker besonders am Herzen liegt. Seit vielen Jahren
kämpft er darum, die Dressurwelt wachzurütteln und die Reiter zum
Nachdenken anzuregen. „Wir züchten immer größere Warmblüter mit
immer mehr Bewegungspotential. Aber das Anreiten der Pferde beginnt
immer früher. Sie sollen ja in den Reitpferdeprüfungen gut
abschneiden. Wie viele dieser auf Leistung gedrillten Cracks sieht
man später noch auf großen Turnieren? Warum sind so viele
Dressurtalente in jungen Jahren verschlissen? Die Zeit, die ein
Dressurpferd im Sport geht, liegt bei nur knapp sieben Jahren!“,
führt Stahlecker an.
Aber er kritisiert nicht nur, er zeigt auch Wege auf, wie sich die
Missstände verändern lassen. Seine Hand-Sattel-Hand-Methode, die er
aus der jahrzehntelangen Erfahrung in der Ausbildung junger Pferde
entwickelte, ist mehr als eine reine Dressurausbildung. Sie fordert
vom Ausbilder ein ganzheitliches Verständnis vom Pferd.
Stahlecker motiviert die Pferde
ohne Zwang zur Mitarbeit. Er macht dem Pferd die erhabenen
Bewegungsabläufe, die es auf der Weide mühelos zeigt, bewusst, um
sie später unter dem Sattel abzurufen. Wie das geht? Durch
Handarbeit mit einem von ihm entwickelten, besonders weich
gepolsterten Kappzaum. Ohne Reitergewicht, ohne Gebiss lernt das
junge Pferd spielerisch und schmerzfrei Lektionen bis hin zur Hohen
Schule. Sein Geist wird beansprucht, ohne dass es zu Gegenwehr und
damit zu Verspannungen kommt. Später, nach einigen Monaten Arbeit an
der Hand, hat das Pferd das Vertrauen und die körperliche Fitness
erreicht, die es zum Reiten braucht. Viele Pferde hat Stahlecker
nach seiner Methode mit Erfolg ausgebildet. Das prominenteste ist
der Fuchshengst „Weyden“, mit dem Sven Rothenberger 1996 zwei
Olympiamedaillen holte.
Mit seinem leidenschaftlichen
Vortrag sprach Stahlecker den Besuchern aus der Seele. Sie stellten
Fragen und diskutierten über die Misere im Turniersport. So ging ein
spannender, Tag zu Ende, der viele Zuhörer zum Nachdenken brachte.
Aufgrund des großen Zuspruchs ist ein weiterer Besuch für Mai 2009
geplant.
Wer mehr über die HSH-Methode
(und künftige Termine) erfahren möchte: Auf
www.hsh-fritz-stahlecker.de und bei mir auf der
Terminseite.
Auf beiden Seiten gibt es umfangreiche Informationen über die
Ausrüstung und das bisher veröffentlichte Lehrmaterial.