2006 auf der Hansepferd-Messe entdeckte ich die beiden
Lehr-DVDs "Handarbeit für junge Dressurpferde" von Fritz Stahlecker.
Stahlecker? Nie gehört. Und das will etwas heißen, weil ich so
ziemlich von jedem Ausbilder etwas gelesen oder dessen Videos
gesehen hatte.
Die Beschreibung auf dem Cover sprach mich an, und für meine
vierjährige Cera - eben angeritten - brauchte ich einen sinnvollen,
pferdegerechten Ausbildungsweg. Also kaufte ich die DVDs.
Die Filmaufnahmen übertrafen alle meine Erwartungen: Ein Mann
in den 70ern "tanzt" mit seinem vierjährigen Hengst durch die Halle.
Alles was er erzählt und beschreibt, ist nicht nur pferdegerecht. Es
ist immer zum Wohle des Pferdes. Er geht davon aus, dass das Pferd
es uns immer recht machen will. Wir müssen nur einen Weg finden, uns
dem Vierbeiner mitzuteilen.
Trotzdem sollte es noch zwei Jahre dauern, ehe ich mich diesem
System zuwandte. Ich habe mir die Arbeit an der Hand damals einfach
nicht zugetraut. Heute bedaure ich das sehr und weiß, wie
unbegründet meine Bedenken waren.
Ende April 2008 fielen mir diese DVDs beim Umräumen wieder in
die Hände. Und weil ich Sachen gerne gründlich mache, forschte ich
im Internet nach der Ausbildungsmethode. Ich fand Herrn Stahleckers
neue Internetseite (www.hsh-fritz-stahlecker.de).
- und den Hinweis, dass in seinem Heimatstall eine Woche später ein
Tagesworkshop stattfindet! Leider wohnt Herr Stahlecker in der Nähe
von Stuttgart - nicht gerade ein Katzensprung von hier. Trotzdem
meldete ich mich an.
Meine Freundin Christine Huguenin (siehe Fotos unten) war von
Anfang an ebenso begeistert wie ich und kam mit.
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Meine Freundin Christine Huguenin und
ihr 11-jähriger, hoch talentierter Wallach "Tom". Sie
zeigt erste Versuche im Spanischen Trab - nach nur 8
Wochen HSH-Arbeit".
"Tom" gibt sich Mühe, reagiert
allein auf ZEIGEN mit dem Stöckchen.
Sind das nicht gigantische
Bewegungen? Man kann erkennen, dass es dem Wallach
Spaß macht und ihn außergewöhnlich gut gymnastiziert.
Aber natürlich sind solche Riesenbewegungen nicht das
Endziel. Ziel ist vielmehr ein geregelter
"tanzender" Trab im Takt, der den Trab verbessert und
das Pferd von der Vorhand löst. |
Wir hatten das Glück, dass wir mehrere - meist junge - Pferde
mit ihren Besitzern bei der Handarbeit beobachten durften. Dabei
erklärte uns Herr Stahlecker, was und zu welchem Zweck da gerade
erarbeitet wurde und welche Stärken und Schwächen jedes einzelne
Pferd mitbrachte.
Was für ein Genuss! Alle Pferde waren mit Feuereifer bei der
Arbeit, spitzten die Ohren und waren voll auf ihren Ausbilder
konzentriert. Keins schlug mit dem Schweif oder zeigte irgendeine
Abwehrhaltung.
Und das Tollste: Es waren auch "ganz normale" Pferde und
Besitzer darunter - nicht nur ausgebildete Reitlehrer und künftige
Olympia-Cracks. Und alle Pferde zeigten bereits Piaffe oder kurze
Tritte, Spanischen Schritt und Spanischen Trab, Steigen auf Kommando
und Galopp-Pirouetten oder deutlich erkennbar die Ansätze dazu.
Nach der Handarbeit wurden die gerittenen Pferde auch unter
dem Sattel gezeigt. Besonders beeindruckend: Fritz Stahleckers
Hengst Mataré, inzwischen 6-jährig, den wir ja schon von den
Lehr-DVDs kannten. Er trabt und passagiert wie auf Wolken,
spielerisch, leichtfüßig, scheinbar ohne Anstrengung. Vorgestellt
wurde er von Claudia Jung, seit Kindesbeinen Schülerin von Herrn
Stahlecker.
Sie ist Pferdewirtschaftsmeisterin, betreibt einen eigenen
Dressurstall und züchtet sehr erfolgreich Araber. Vor allem aber
unterrichtet sie auch die Methode. Sie kommt nun auch zu mir alle
zwei - drei Monate in den Stall.
Zum Abschluss zeigte uns der 19-jährige Wallach "Prinz" mit
seiner Besitzerin Carmen Rothacker sein Repertoire. Er ist erst seit
3 Jahren in dieser Ausbildung, galt zuvor als schwierig und so gut
wie unreitbar. Mehrere Bereiter haben sich an ihm versucht -
offenbar vergeblich. Bis Carmen Rothacker die HSH-Methode für sich
entdeckte und ihren "Prinz" konsequent danach arbeitete.
Er beherrscht heute alle Lektionen der Hohen Schule - mit
Leichtigkeit und offensichtlich großem Spaß. Und: Sie ließen sich
alle auf das Reiten übertragen.
Wir hätten noch Stunden zusehen können! Wir wurden von
Herrn Stahlecker und seinem Team so herzlich aufgenommen, durften
alle mit Fragen löchern und erhielten bereitwillig und kompetent
Auskunft. Alle machten uns Mut, diese Arbeit selbst zu probieren.
An dieser Stelle einmal allen ganz herzlichen Dank für die
Zeit, die man uns geschenkt hat, ganz besonders an Frau Wägenbaur,
die alles so grandios organisierte!
Karin Schöpke und Christine Huguenin, Sommer
2008