Wie sag
ich's meinem Pferd?
Spätestens seit
dem Bestseller "Der Pferdeflüsterer" sind Horsemanship und
"Pferdeflüstern" auch in Europa in aller Munde. Dabei hat Natural
Horsemanship mit Pferdeflüstern nichts zu tun. Es steht vielmehr für
einen natürlichen, pferdegerechten Umgang mit dem Pferd - sowohl am
Boden, als auch unter dem Sattel.
Pferde sind
Flucht- und Herdentiere, die sich nur in der Gemeinschaft sicher
fühlen. Da sie nicht sprechen können, verständigen sie sich über
Körpersprache. Das klappt bei allen Pferden gleich - egal, um welche
Rasse es sich handelt und aus welchen Teilen der Erde sie
zusammentreffen.
Wenn es euch
gelingt, diese Körpersprache zu lernen und anzuwenden, kommt ihr
ohne Strafen aus. Ihr gewinnt euer Pferd zum Partner, das sich alle
Mühe geben wird, euren Dialekt zu verstehen und euren Anweisungen zu
folgen - ein Miteinander in gegenseitigem Respekt.
Träumt ihr davon,
dass euer Pferd unangebunden in der Stallgasse stehen kann? Dass es
sich euch auf der Weide vertrauensvoll zuwendet, euch vielleicht
sogar entgegenläuft? Wollt ihr, dass sich euer Pferd beim Reiten
mehr Mühe gibt? Dass es nicht sofort vom Liegen aufspringt, wenn ihr
in die Box kommt? Oder dass es euch freiwillig seine Füße zum
Saubermachen hinhält? Dann lernt, nach Parelli-Art zu denken und zu
handeln!
Jeder
Mensch kann das lernen, jedes Pferd
kann so erzogen werden!
Negativ-Beispiele und ihre Lösung:
Manchmal scheinen
Pferde zickig, widersetzlich und stur zu sein. Sie springen immer
wieder an derselben Stelle in der Halle oder auf dem Reitplatz zur
Seite, schlagen wie wild mit dem Schweif, zeigen Ansätze zum Bocken
oder Wegstürmen oder sie gehen überhaupt keinen Schritt mehr
freiwillig vorwärts.
Mancher Besitzer
greift dann zu härteren Mitteln. Er schnallt ein schärferes Gebiss
ein, longiert vor dem Reiten tüchtig ab, reitet mit Schlaufzügeln,
und überhaupt fasst er sein Pferd ein bisschen ruppiger an.
Den allermeisten
Pferden tut man damit Unrecht. Sie sind so bemüht, alles richtig zu
machen, wollen gelobt werden. Aber sie verstehen nicht, was der
Mensch von ihnen will.
Beispiel Stallgasse: Ein Pferd wird in
die Stallgasse geführt und zum Putzen angebunden. Der Besitzer sagt:
"Steh!". Aber das ungeduldige Pferd scharrt trotzdem mit den Hufen
und dreht sich am Strick hin und her. Den Besitzer nervt das, aber
er unternimmt zunächst nichts. Erst nach einer ganzen Weile wird es
ihm zu bunt und er herrscht sein Pferd an: "Lass, das!" und ruckt
tüchtig am Strick. Wie soll das Pferd nun wissen, dass sein
Verhalten unerwünscht war? Es durfte doch einige Minuten lang
herumzappeln, ohne dass etwas bemängelt wurde. Das Kommando "Steh!"
wurde nicht durchgesetzt. Das Pferd kann nur begreifen, wenn bereits
der erste Schritt, das erste Scharren korrigiert wird, ein ruhiges
Stehen mit Lob anerkannt wird.
Beispiel scheuern: Viele Pferde lieben
es, sich nach dem Reiten am Rücken des Reiters den Kopf zu scheuern.
Eine Unart! Viele finden das "niedlich", glauben, das Pferd
zeigt ihnen damit Zuneigung. In Wahrheit juckt nur der Kopf. Das
Scheuern wird also nicht verboten - bis der Besitzer eines Tages
seine nagelneue Reitweste trägt... Jetzt gibt einen tüchtigen Klaps
auf die Nase. Wie soll das Pferd so Vertrauen zu seinem Besitzer
fassen? Der weiß aus Sicht des Pferdes ja meistens gar nicht, was er
will. Darum: Überlegt euch, welches Verhalten ihr bei eurem Pferd
zulassen wollt, welches nicht. Erzieht euer Pferd mit Konsequenz -
und Liebe!