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Die Philosophie hinter HSH

Die Philosophie, die hinter HSH steht, hat mich in meinem gesamten Umgang mit den Pferden geprägt und mein Verhältnis zu allen Pferden radikal zum Positiven verändert.

Bewegungsabläufe bewusst machen
Allgemein will man ja bei der Dressurarbeit dem Pferd Bewegungsabläufe entlocken, die es in der freien Natur auf der Weide bereits zeigt: Vom schwungvollen „einfachen“ Trab über fliegende Galoppwechsel und Mitteltrab bis hin zu Piaffe und Passage. Pferde, die auf der Weide miteinander spielen oder aufgeregt einen Kameraden begrüßen, zeigen leicht und ohne Anstrengung zum Beispiel Mitteltrab und Passage-Tritte. Wenn ich in der Halle bin und reite, will ich diesen Trab „reproduzieren“ – aber ohne den emotionalen äußeren Anlass. Das ist die Schwierigkeit.

Die HSH-Lösung: Man macht dem Pferd in der Arbeit an der Hand diese Bewegungsabläufe bewusst, macht sie zu einer abrufbaren Lektion. Das heißt, das Pferd lernt die Lektionen am Boden, ehe sie ins Reiten übertragen werden. Das, was das Pferd am Boden so perfekt gelernt hat, übernimmt es später von selbst ins Reiten.

Beispiel: Ein Pferd, das sich an der Hand gerade hinstellen kann, wird das auch unter dem Sattel tun.

Unbenannt-4Bilderbuchmäßiges Anhalten auf Kommando

Unbenannt-5Das klappt dann auch unter dem Sattel

Körperteile einzeln trainieren
Viele Dressurausbilder betrachten stets das gesamte Pferd. Stimmen Kopf- und Halshaltung, tritt das Pferd genug unter, geht es über den Rücken usw. Bei HSH ist das gute Gesamtbild auch wichtig, aber erst als Folge der Ausbildung. Gleich alles auf einmal haben zu wollen ist nicht nur schwierig, sondern für Pferd und Ausbilder oft demotivierend, weil vieles nicht auf Anhieb klappt.

Fritz Stahlecker erklärt: “Ein Mensch, der ins Fitnessstudio geht, trainiert seine Bizeps, seine Oberschenkel, den Bauch, den Po und seinen Rücken – nacheinander. Beim Pferd wollen wir immer gleich das ganze Pferd trainieren. Das gelingt nur mit Schwierigkeiten.”

Unbenannt-6Deshalb werden auch in der HSH-Ausbildung die Körperzonen einzeln trainiert: Der Spanische Schritt ist gut für mehr Freiheit in der Schulter, gute Halsmuskulatur und dadurch für einen besseren Trab. Das gerade Hinstellen, die kurzen Tritte und die Schrittpirouetten fördern ein vermehrtes Untertreten, sorgen im Laufe der Zeit für mehr Hankenbiegung und bereiten auf die Galopparbeit vor.

Lektionen in Ausbildungsschritte zerlegen
Vielleicht kann ich diese Denkweise mit einem Bild vermitteln: Ich stelle mir ein großes Puzzle vor, eins mit vielen Teilen. Wenn ich den Karton in der Hand halte, sehe ich das fertige Bild auf dem Deckel. Nur, wenn ich weiß, was aus den Puzzleteilen entstehen soll, kann ich es auch zusammensetzen. Ohne Kenntnis des fertigen Bildes wäre es ein entmutigendes Herumprobieren.

Bei der Pferdeausbildung ist es genau so: Ich weiß, wie mein Pferd einmal aussehen soll, habe klare Vorstellungen davon, wie leicht ich es einmal reiten möchte – egal, um welche Lektionen es dabei geht. Das gilt schon für einen einfachen Trab oder irgendeinen Seitengang.

Zurück zum Puzzle. Aufs Pferd übertragen muss ich mir die einzelnen Puzzleteile erarbeiten, bzw. dem Pferd verständlich machen. Wenn ich die ersten Teile zur Verfügung habe, kann ich sie problemlos zusammenbringen. Meistens fügen sie sich eh von selbst zusammen! Aus wie vielen Teilen das Puzzle besteht, hängt sicher von der Qualität und der Intelligenz des Pferdes ab und vom Einfallsreichtum des Ausbilders.

Unbenannt-7Schrittpirouette

Beispiel: Ich will eine Schrittpirouette am Boden haben, aber sie klappt nicht, weil das Pferd nicht sauber die Beine nach vorwärts kreuzt. Ich kann jetzt tagelang weiterprobieren – oder die Lektion in kleinere Teile zerlegen. In diesem Fall überprüfe ich mein Seitwärts an der langen Seite. Geht das problemlos? Wenn ja, probiere ich ein „aus der Ecke kehrt“ und animiere das Pferd, für ein, zwei Tritte dabei seitwärts zu treten. Erst wenn das leicht gelingt, gehe ich zu meiner großen Schrittpirouette zurück.

Motivation ist das Zauberwort
Im Berufsleben ist ein motivierter Mitarbeiter Gold wert. Aber nur wenige Chefs wissen, wie sie ihre Mitarbeiter motivieren können und erreichen durch permanentes Tadeln nur das Gegenteil. Motivierte Pferde machen Spaß! Sie sind mit Feuereifer bei der Sache und geben sich die größte Mühe „zu gefallen“. Und wie motiviere ich mein Pferd? In dem ich zunächst einmal nicht so viel an ihm herummäkele. Ich konzentriere mich auf die guten Sachen und lobe viel. Das, was mir nicht gefällt, ignoriere ich. Und: Das Pferd darf Vorschläge machen!

Wieder ein Beispiel: Ich möchte hinter dem Pferd hergehen, ganze Bahn, bin vielleicht dabei, das korrekte Anhalten zu üben. Das Pferd aber driftet von der Bande ab. Statt zu schimpfen und an den Leinen zu zerren, kann ich das annehmen und mache daraus spontan eine saubere Kehrtwendung. Ich achte darauf, dass das Pferd korrekt tritt, gehe wieder ein paar Meter gerade aus, um eine erneute Kehrtwende einzuleiten, die mich wieder zum Ausgangspunkt zurückbringt. Ich kann wieder loben, weil das Pferd die Lektion gut gemacht hat, habe aber meine ursprüngliche Übung nicht aus den Augen verloren. Bald weiß das Pferd: Ich darf probieren, es geschieht nichts, ich werde nicht bestraft.

Achtung: Motivierendes Arbeiten und Annehmen von Angeboten des Pferdes heißt nicht, alles durchgehen zu lassen! HSH ist eine pferdegerechte Erziehung, aber nicht antiautoritär!

Loben will gelernt sein
In HSH wird außergewöhnlich viel gelobt. Ich sage deshalb außergewöhnlich, weil man in der Reiterszene nur wenig Menschen trifft, die ihre Pferde viel und wirklich von Herzen loben. Nehmt euch selbst als Beispiel: Wie fühlt ihr euch, wenn euer Chef sich bei euch dafür bedankt, wenn ihr eine wichtige Arbeit korrekt und in Nullkommanichts erledigt habt? Oder wenn jemand eure Kochkünste bewundert? Das geht runter wie Öl! Warum sollte es beim Pferd anders sein?

Unbenannt-08Loben an der Hinterhand

Loben beim Pferd heißt Körperkontakt! Streichelt euer Pferd intensiv am Hals, lehnt euch mit eurem ganzen Körper auf die Kruppe, streichelt die Beine, umarmt es! Lobt es besonders oft an der Kruppe und nicht nur am Kopf! Zeigt ihm eure Begeisterung. Pferde verstehen das! Loben beim Pferd ist nicht der kameradschaftliche Klapps auf den Hals!

Habt ihr schon einmal Weidepferde beobachtet? Sie stehen gerne Kopf an Schweif nebeneinander und kraulen sich oder eins legt seinem Kumpel den Kopf auf den Hals. Kein Pferd kann ein anderes Pferd mit einem Körperteil geräuschvoll „tätscheln“.

Das Pferd ist ein Gewohnheitstier
Das machen wir uns bei HSH zu Nutze. Wenn eine Lektion gut gelingt, lobe ich und wiederhole sie an derselben Stelle in der Halle. Bald denkt das Pferd mit und weiß schon, was kommt. Das gibt ihm Sicherheit und Vertrauen! Erst, wenn das Pferd die Lektionen sicher beherrscht, rufe ich sie überall ab. So kann es auch sehr hilfreich sein, bestimmte Rituale zu pflegen. Zum Beispiel: Immer, wenn ich mich gegen die Bande lehne, ist Ausruhen angesagt. Da mache ich nichts, lehne mich nur an.

Bei nervösen, leicht erregbaren Pferden ist es gut, eine „Friedenszone“ in der Halle einzubauen. Zum Beispiel eine kurze Seite der Halle, an der nie eine Lektion abgefragt wird. Auch das merkt sich das Pferd rasch und kann in dieser Zone entspannen.

Weniger ist oft mehr
Eine der motivationstötenden Eigenschaften des Menschen ist der Ehrgeiz. „Jetzt hat mir mein Pferd drei wundervolle Tritte im Spanischen Schritt gegeben – na, da werden wir wohl auch fünf hinkriegen!“

Stellt euch vor, ihr habt als Schüler eine schreckliche „Klaue“ und müsst eine halbe Heftseite in Schönschrift abliefern. Der Lehrer begutachtet das, lobt euch dafür und sagt: „Und jetzt will ich sehen, ob du auch eine ganze Seite hinkriegst!“ Wie würdet ihr euch fühlen? Es entsteht doch bald das Gefühl: Wofür soll ich mich so anstrengen, ich muss ja doch alles wiederholen! Also: Wenn neue Lektionen das erste Mal gut gelingen, sofort damit aufhören!

Der kluge Ausbilder baut vor: Er legt so eine Übung an das Ende der Trainingseinheit, um das Pferd dann sofort in den Stall bringen zu können.

Ihr braucht einen Plan
Überlegt euch vorher, an was ihr heute arbeiten wollt. Ihr braucht ein Ziel. Vielleicht wollt ihr die Seitengänge verbessern oder an Schrittintervallen arbeiten oder etwas verbessern, das gestern nicht so gut klappte. Egal, beginnt die Stunde nicht planlos. Aber seid bereit, diesen Plan jederzeit fallen zu lassen, wenn es nicht klappt. Es gibt Tage, da will einfach nichts gelingen. Es macht nichts, wenn ihr dann einfach mal abbrecht und etwas ganz anderes mit eurem Pferd macht. Ihr verliert nicht euer Gesicht sondern zeigt nur Verständnis. Es kommt ja nicht alle Tage vor.

Mehrere Ansätze für eine Lektion parat haben
Es gibt in HSH nicht nur EINEN Weg, eine Lektion abzurufen. Fritz Stahlecker sagt: Es ist gut, wenn man für jede Lektion mehrere Schalter zum Anknipsen hat. Diese „Schalter“ erarbeitet ihr euch automatisch, wenn ihr euch mit HSH befasst und Gedanken über die Ausbildung macht. Und selbst wenn ihr mal nicht weiter wisst: Die Bücher und vorhandenen DVDs geben Anregungen in Hülle und Fülle.

Unbenannt-09Die DVDs könnt ihr hier bestellen: Klick