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Jun 07 2015

Karin-Schoepke

Divina – die Göttliche – mein neues Pferd

Nach monatelanger Suche bin ich endlich fündig geworden und habe das für mich passende Pferd gefunden! Es ist eine 7-jährige Mecklenburger Staatsprämienstute, die auf den Namen Divina hört (noch hören lernen muss…)

Angeregt durch meine Freundin Christine habe ich bei all der Pferdesuche auch die großen Gestüte Norddeutschlands kontaktiert. Bereits Ende Januar telefonierte ich mit dem Gestüt Ganschow, mit dem Gestüt Lewitz (von Paul Schockemöhle) und Neustadt an der Dosse. Diese großen Gestüte züchten normalerweise Sportpferde der gehobenen Preisklassen. Da das aber nicht immer gelingt, hoffte ich auf ein "Schnäppchen", das ich mir leisten kann.

Leider dauert es oft mehrere Wochen, ehe man von Gestüten Angebote zugeschickt bekommt. Lewitz hatte vier hübsche Stuten zum Verkauf – darunter sogar eine Tochter von Totilas! Aber leider sind alle erst drei Jahre alt und gerade erst angeritten. Das kam also nicht in Frage.

Auf Ganschow musste ich gar bis Anfang Mai warten, ehe ich fünf Pferde vorgeschlagen bekam. Ganschow kannte ich ja von unserem Besuch der Stutenparade vor drei Jahren. Ich wusste, dass sie dort auch Ferienkurse und Lehrgänge auf ihren Pferden anbieten. So stand der 11-jährige Wallach Kolja zum Verkauf, der laut Beschreibung schon so manchen Schüler durch die Abzeichenprüfung getragen hatte. Ganz besonders den wollte ich mir ansehen.

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Das Abschlussbild der Ganschower Stutenparade: über 100 Pferde donnern über den Exerzierplatz vorbei an den Zuschauern auf ihre Weiden.

 

Manuel war sofort Feuer und Flamme, mich zu begleiten. Prima, da musste ich die lange Strecke nicht alleine zurücklegen und hatte jemanden mit Ahnung dabei, damit ich mich nicht alleine entscheiden musste.

Was ich nicht wusste: Gestüt Ganschow besteht aus zwei Teilen: Einmal ist da das Gestüt mit den Mutterstuten und Fohlen, wo auch die Stutenparaden stattfinden, dann gibt es noch 20 km davon entfernt in Alt Sammit die sogenannte Reitschule. Dort werden die Remonten hingebracht, um ausgebildet zu werden. So war die Reitschule auch unser erstes Ziel, wo ich mit Rene Mencke, dem Sohn des Gestütsleiters, verabredet war.

Dort wurden mir vier Pferde vorgeritten, die mich aber alle nicht besonders angesprochen haben. Ein Wallach war riesig, mindestens 1,80 m groß, eine Stute zu klein, die beiden anderen Pferde noch nicht lang unter dem Sattel. Die beiden Tiere, die mich von der Beschreibung her am meisten interessiert hätten, war leider wenige Tage zuvor verkauft worden. Auch der 11-jährige Kolja. Damit ich aber trotzdem mindestens fünf Pferde zum Ansehen hätte, vereinbarte Herr Mencke für uns einen Termin im Gestüt bei seinem Vater. Dort wurde mir Divina vorgeritten, und ich habe sie ausprobiert.

Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Warum? Das Pferd ist unglaublich dünn. Ein Spiddel ohne Muskulatur und reiterlich nicht besonders weit geritten. Ihre Hufe auch eine einzige Katastrophe. Aber sie machte einen grottenbraven, sehr Menschen bezogenen Eindruck und war unglaubich gut zu sitzen. Sie hatte bereits ein Fohlen und wurde in der letzten Zeit zum Unterricht für die Kinder und Touristen eingesetzt.

Ziemlich enttäuscht machte ich mich mit Manuel auf den Heimweg. Weil wir von dem ganzen Ambiente nicht wirklich gefesselt waren, haben wir nicht einmal fotografiert oder gefilmt…

Irgendwie bekam ich dann die Stute das ganze Wochenende nicht aus dem Sinn. Wozu sollte ich weiter suchen? Divina hat mit 7 Jahren das richtige Alter, kennt wechselnde Reiter und lässt sich gerne kraulen! Dass sie zu dünn ist, würde sich bei mir ja schnell ändern, und wie man Muskeln aufbaut, weiß ich auch! So habe ich sie am Montag darauf gekauft.

Sie wurde mir eine Woche später von Rene Menckes Frau gebracht – mit frisch gemachten Hufen! Als sie aus dem Hänger ausstieg, war sie die Gelassenheit in Person. Nicht ein feuchtes Haar, nur ein Ködelhaufen im Hänger. Also so richtig aus der Ruhe bringen kann sie wohl nichts!

Hier seht ihr die ersten Bilder, die einen Tag nach ihrer Ankunft entstanden sind:

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Was für ein schmalbrüstiges Hemd! Da ist noch viel Platz für gutes Heu und anständiges Muskelaufbautraining.

Inzwischen steht Divina schon eine Woche in meinem Stall, und ich kann sagen: Es war eine gute Wahl. Die Stute ist ohne Argwohn, neugierig, und abwartend vorsichtig. Sie war in diesen ersten Tagen unglaublich müde, erschlagen von den vielen Eindrücken, die hier auf sie einstürmen. Eine Paddockbox kannte sie offenbar nicht. Sie steht noch immer meistens draußen und beobachtet die Umgebung. So dünn wie sie ist, könnte man meinen, dass sie eine gierige Fresserin ist. Dem ist nicht so. Und sie ist wählerisch. Was sie nicht kennt, schmeißt sie aus ihrem Trog: Äpfel, Bananen und Brot frisst sie nicht, ebensowenig wie Leckerlis oder Mash. Jetzt habe ich ihr Luzernehäcksel gekauft, um die Haferration mit mehr Raufutter aufzufüllen. Unsere Pferde werden ganz unruhig, wenn sie die Häcksel riechen. Divina muss sich erst daran gewöhnen. Sie braucht einfach noch etwas Zeit, um richtig anzukommen.

20150530080538-(13)Divina steht in der Box neben Cera. Ich hatte die Hoffnung, dass Cera sie ein bischen unter ihre Fittiche nimmt, und mit der Neuen anbandelt. Das war ja wohl nix! Cera giftete sie garstig an, sah in Divina wohl eine arge Futterkonkurrentin.

Noch schlimmer verhielt sich Dango. Der alte Herr stand am ersten Tag noch etwas missmutig in seiner Box, am zweiten Tag aber garstete er in alle Richtungen. Die arme Rasga in der Nachbarbox hatte darunter zu leiden. Was war Dango empört! Links ein Bild von Dango neben dem Roundpen. Er ist mit der Neuen nicht einverstanden!

Wie ich das mit allen neuen Pferde mache, musste auch Divina die ersten drei Tage mit Heu in den Roundpen, damit sie unbeschadet ihre neuen Stallkumpels kennen lernt. Ich hatte keine Sorge, dass Divina den anderen etwas tun könnte, schließlich dürfte sie große Herden ja gewohnt sein. Aber was würden meine Pferde zu einem neuen Gruppenmitglied sagen? Nein, Verletzungen kann ich jetzt nicht gebrauchen!

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Die Reaktion unsere Pferde auf ihren neuen Kumpel habe ich mit der Kamera festgehalten:

Natürlich hatte ich gedacht, dass sich alle Pferde gleich auf die Neue stürzen, dass es unentwegt quiekt. Weit gefehlt. Meine Pferde waren nur extrem darüber entrüstet, dass die Weidetore geschlossen waren und machten ihrem Unmut durch Herumrennen Luft!

Fortsetzung folgt!

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